Henri Julius, Elisabeth Hübl, Peter Heidlmair, Erzsebet Matthes, & Noémie Borel
„Seeungeheuer haben keine Beine“ ist aus dem Wunsch vieler pädagogischer Fachkräfte entstanden, aggressives, von Rückzug geprägtes, klammerndes oder vermeidendes Beziehungsverhalten der ihnen anvertrauten Kinder im pädagogischen Alltag besser zu verstehen – und angemessener darauf reagieren zu können.
Im Mittelpunkt dieses Buches stehen Fallbeispiele aus tatsächlichen Interaktionen zwischen Kindern und ihren pädagogischen Bezugspersonen. Sie laden dazu ein, die Perspektive des Kindes einzunehmen: Was mag es in einer bestimmten Situation gedacht und gefühlt haben? Welche Strategien nutzt es, um mit Belastungen umzugehen – und warum?
Die Grundlage für diese Innensicht bildet die Bindungstheorie, die in diesem Buch um eine physiologische Perspektive erweitert wird. Denn psychisches Erleben und körperliche Regulationsprozesse sind untrennbar miteinander verbunden. Erst ihr Zusammenspiel lässt verstehen, was sich hinter einem Verhalten verbirgt – und eröffnet Wege zu bindungsgeleiteten pädagogischen Interventionen.
Ziel ist dabei nicht allein, schwieriges Verhalten zu verändern. Es geht darum, Kindern durch verlässliche und heilende Beziehungen wieder Sicherheit zu vermitteln und damit Voraussetzungen zu schaffen, unter denen sich ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Potenziale entfalten können.
Ein kompakter Theorieteil vermittelt die notwendigen Grundlagen und greift zugleich neue, bislang nicht veröffentlichte Erkenntnisse auf. Den Schwerpunkt bildet jedoch der praxisorientierte Übungsteil. Seine Fallvignetten wurden über viele Jahre in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte eingesetzt und haben sich als Instrument zur Einübung bindungsgeleiteten Verstehens und Handelns bewährt.
Im Rahmen der Buchvorstellung werden die zentralen theoretischen Grundlagen vorgestellt und anhand ausgewählter Fallbeispiele mit der pädagogischen Praxis verbunden. Dabei wird gezeigt, wie aus der Innensicht des Kindes konkrete bindungsgeleitete Interventionen abgeleitet werden können – und was dies für den Umgang mit Kindern in herausfordernden Alltagssituationen bedeutet.
So verbindet „Seeungeheuer haben keine Beine“ wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreter pädagogischer Praxis – für alle, die Kinder nicht nur in ihrem Verhalten sehen, sondern verstehen möchten, was hinter diesem Verhalten liegt.